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Christine Hartung-Czaja

Literatur aus Nordfriesland

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Pferde

15. November 2014in

Unsere Pferde, müsste es richtig heißen.

Denn wir, meine Töchter und ich, teilen diese Leidenschaft. Insgesamt haben wir drei Pferde.
Wie kommt man zu einem Pferd, oder gleich zu dreien? Manchmal schneller als man denkt! Doch dafür muss ich weiter vorne beginnen.

Schon als Kind wollte ich ein Pferd haben. Überall, wo es Pferde in der Umgebung gab, war ich zu finden. Reitstunden gab es natürlich auch. Ich machte Stall Arbeiten, ging jobben, nur um aufs Pferd zu kommen. Mein sehnlichster Wunsch wuchs : ein eigenes Pferd! Aber, das passierte nicht in meinen jungen Jahren. Meine Mutter bestand darauf einen Hubschrauber zu bekommen, falls ich ein Pferd bekam. Also blieb dieser Wunsch unerfüllt.

Als ich dann erwachsen wurde, kamen andere Dinge. Ausbildung, Berufsleben. Aber die Sehnsucht nach einem Pferd blieb. Zu einem meiner Geburtstage bekam ich von meinen Kolleginnen einen ausgefüllten Lottoschein geschenkt. Dieser Schein war tatsächlich das Sprungbrett zum großen Traum. Mit 5 Richtigen und Zusatzzahl gewann ich 800 DM und kaufte mir mein erstes eigenes Pferd. Ein Doppelpony. Alkan. Dieser Wallach begleitete fortan mein Leben.

Nach der Familiengründung lebte Alkan weiterhin bei mir. Doch wie es so kommt im Leben,  läuft nicht immer alles rund und glatt. Plötzlich stand ich mit zwei Kindern alleinerziehend da. Ich war Vollzeit berufstätig, mit Pony. Doch die Situation zwang mich in die Knie. So musste ich Alkan schweren Herzens abgeben. Alkan blieb im Stall, bei vertrauten Menschen.

Wieder kam eine Zeit der Sehnsucht, die ich schwer erklären kann. Wer das nicht erlebt hat, kann sicher nicht nachvollziehen, dass man nur Halb ist, ohne Pferd.

Meine Töchter wuchsen heran und zum Glück teilten sie meine Gefühle. Wir hatten, als sie Kinder waren, eine sehr nette Stallgemeinschaft gefunden und schnell zogen wieder Ponys und Pferde ein.

*

Es gibt Tage, die verändern dein Leben. Einer dieser Tage war, als ich in die Augen eines alten,  ausrangierten Dressurpferdes sah. Es sollte zum Schlachter. Ausgemergelt, kaputte Gelenke, Beine total krumm und steif. Ich sah die Stute zufällig und fragte sie: „Was bist du denn für eine arme Mausi?“
Dann fuhr ich wieder nach Hause. Niemals zuvor hatte ich so resignierte, stumpfe Augen eines Pferdes gesehen. Sie schien mir sagen zu wollen, dass  alles keine Rolle mehr spielt. Sie hatte Schmerzen, das war offensichtlich.

Nach drei schlaflosen Nächten zog die Stute bei mir ein. Ich konnte einfach nicht anders. Der Tierarzt wurde geholt, das Pferd behandelt. Ab da hatte ich ein Gnadenbrot-Pferd.

Mausi hat heute das, was ich so sehr vermisst habe. Anteilnahme und Glanz in den Augen! Sie führt mit einem weiteren „Rentner“ ein zufriedenes Leben, abseits von Jungspunden und gescheucht werden. Ich bin jetzt Tag dankbar und glücklich, wenn ich sie nur ansehe. Ich hoffe Mausi auch!

Unsere beiden Ponys sind ebenfalls nicht mehr ganz jung. Eine tragische Geschichte verbindet ihren Umzug zu uns. Die Ponys waren im Besitz eines Ehepaares. Die Frau verstarb und der Mann behielt vorerst beide Pferde, war aber dann irgendwann an seiner Grenze. Wir hörten von den Tieren und ich war bereit sie zu übernehmen. Flora und Romanze lebten so viele Jahre zusammen und sollten auch zusammen bleiben.

Auch die Ponys haben gesundheitliche Probleme, die sich nicht mehr alle heilen lassen. Aber sie sind einfach nur toll und wir lieben sie so wie sie sind!!

Unser Leben ist reicher geworden! Drei Pferde die unser Glück bedeuten, für das wir jeden Tag dankbar sind!